… meine Last ist leicht

2. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juni 2020 in Pretzschendorf

Feiern soll Spaß machen. Das macht es auch meistens, wenn es nun Gott sei Dank nicht mehr allzu viele Auflagen und Vorschriften gibt und wenn Menschen dabei sind, die man mag. Zu dem Fest, über welches wir in der Evangeliumslesung hörten, kamen nun gerade die Eingeladenen nicht und es wurden die, die zufällig Vorbeikommen herein gebeten.

Ein komischer Gedanke! Wenn wir uns so etwas für nächste Gartenparty vorstellen, verlieren wir vielleicht schon vornweg die Lust zu feiern?

Um eine etwas seltsame Einladung geht es auch im folgenden Text – ich lese im Evangelium nach Matthäus im 11. Kapitel:

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.

26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Liebe Gemeinde.

Kennen Sie Pipi Langstrumpf, das kleine kunterbunt gekleidete Mädchen aus Astrid Lindgrens Büchern? Nicht nur, dass sie Sachen trägt die für manche von uns nicht zusammen passen, auch in ihrem Kopf scheint es eine quirlige Menge kunterbunter Gedanken zu geben, die am liebsten Karussell fahren und entsprechend für Wirbel in den Geschichten um Pipi sorgen. Geschichten, die trotz alldem immer einen Sinn und eine Aussage für die Leser anzubieten haben.

Ich denke, wenn ich diesem Text aus Matthäus 11 einen Namen geben sollte würde mir zuerst Pipi Langstrupf einfallen. Nicht, weil Astrid Lindgren Pipi in einem Buch sagen lässt:

Zuviel Gelehrsamkeit kann selbst den Gesündesten kaputtmachen.“

Sondern der Name passt ein wenig, weil auch dieser Text ziemlich bunt und turbulent daher zu kommen scheint: Zuerst preist Jesus Gott dafür, dass er etwas denen offenbart hat, die als Unmündige bezeichnet werden.

Dann eine merkwürdige Feststellung, dass Jesu alles von Gott übergeben wurde und nur er, der Sohn es Dritten offenbaren kann – gefolgt von der Einladung, die wir ja bereits als Wochenspruch kennen und die uns auch sonst geläufig ist. Ja und zum Schluss die Aufforderung sich unter Jesu Joch zu begeben. Ist das nicht alles ziemlich merkwürdig?

Ja, es ist merkwürdig, jedoch im wörtlichen Sinne. Es ist des „sich Merkens“ würdig!

Der Begriff „merkwürdig“ bezeichnete ja ursprünglich etwas Besonderes, dass man sich merken sollte, heute wird er eher als Synonym für wunderlich oder sonderbar verwendet.

So ist nun dieser Text etwas ganz Besonderes: Bei genauer Betrachtung beschreibt er nicht weniger, als was noch vor wenigen Jahren als „Geheimnis des Glaubens“ bezeichnet wurde.

Allerdings muss man sich schon genau hinein denken und fühlen um an den Kerninhalt zu gelangen:

Als ich mich, mit anderen angehenden Prädikanten, um die Fähigkeit des Auslegens solcher Texte und der Fertigkeit des Anfertigens möglichst zuhörerschonenden Predigten bemühte – das war vor etwa 15 Jahren – hieß es noch: Einen Gottesbeweis gibt es nicht und wird es nicht geben.

Heute bin ich mir da nicht so sicher, vielleicht wird es den ja doch irgendwann geben? Schließlich sagen uns ausgerechnet Wissenschaftler: Atome – also alle bekannte Materie besteht eigentlich nur aus Energie und Energie ist Schwingung voller Informationen, welche wiederum auf ein allumfassendes Bewusstsein schließen lassen.

So könnte es sein, dass Gott eines Tages ausgerechnet von Wissenschaftlern belegbar sein wird – wer weiß? Doch wozu das Ganze? Damit wir als Kirche besser vor der Gesellschaft dastehen? Damit es kein Geheimnis des Glaubens mehr braucht?

Doch Vorsicht! Sollte Gott eines Tages fest zum wissenschaftlichen Weltbild gehören, so nützt das dem einzelnen Menschen herzlich wenig. Immerhin hätten wir dann nur einen ähnlichen Zustand wie zu Jesu Zeiten.

Keiner hatte damals an der Existenz und an der Weltherrschaft Gottes gezweifelt – und doch haben gerade die Weisen und Klugen wenig bis gar keinen Zugang zu Gottes Wirklichkeit gehabt.

Der Grund liegt daran, dass der kluge Mensch, seine Erkenntnisse zu seinem Nutzen einsetzen will. Er fängt an zu planen. Er plant und plant und wenn die Pläne in Gefahr geraten, dann müssen eben Regeln her, am besten solche aus der Bibel abgeleitete, um die Wirklichkeit Gottes an die eigenen Pläne anzupassen. In der Bibel stehen vor allem die Pharisäer für dieses Verhalten.

Doch das hat schon vor tausenden von Jahren nicht funktioniert und funktioniert auch bis heute nicht. Auch nicht, wenn man die Augen vor allem Religiösen ganz verschließt und zum atheistischen Materialisten wird.

Natürlich kommen wir ohne Planung in unserer hochspezialisierten Gesellschaft heute nicht mehr aus. Dagegen ist auch nichts einzuwenden und das ist hier auch gar nicht gemeint! Es geht vielmehr um die ganz private Lebensplanung. Darf göttlicher Einfallsreichtum und Spontanität da noch eine Rolle spielen? Heute wird oft gesagt: Du musst dir nicht nur Ziele setzen, sondern musst die Realisierung korrekt planen und eine Zeitvorgabe stecken, nur so hast du Erfolg!

Mag sein, dass so etwas für äußere Ziele, wie eine bestimmte Geldsumme auf dem Konto zu haben, ein Traumhaus zu bauen, den eigenen gesellschaftlichen Status zu erhöhen zutrifft. Doch werden diese erreichten Ziele dann auch gesegnet sein?

Wir kennen ja auch das Phänomen, dass viele Menschen Alles erreicht haben, was materiell möglich ist und dennoch totunglücklich ein angsterfülltes Leben führen, abgeschottet von den Mitmenschen und des Lebens müde.

Grund dafür ist das Vernachlässigen dessen, was Gott diesen Menschen für Visionen in die eigene Seele geschrieben hat. Diese Visionen zu lesen und zu deuten, das gelingt heute nur noch wenigen Menschen aus sich heraus. Zu viel ist uns in jungen Jahren durch unser Umfeld darüber geschrieben worden an klugen Sprüchen und weisen Wertevorstellungen. Manch einer spürt vielleicht noch die leise Sehnsucht seiner Seele, doch im Alltag hat diese Sehnsucht dann leider keinen Platz…

Jedoch gerade diese Sehnsucht zu entdecken und ihr zu folgen, dazu lädt Jesus uns ein:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Oh ja, wie erquickend, erfrischend, stärkend und belebend könnte es sein, inne zu halten und statt der Sorgen um die eigenen Pläne wieder jenes sanfte Schlagen des eigenen Herzens zu spüren, überwältigt davon wie zuverlässig und unablässig es das tut!

Wie dankbar könnten dann wir den eigenen Atem und die uns mit jedem Atemzug zufließende Lebenskraft wahrnehmen und als Gleichnis annehmen, für das große Wunder des Lebens, dass in jedem Frühjahr die Lebenskraft in alle Geschöpfe der Natur zurück bringt und jetzt im kommenden Sommer auf den Höhepunkt dieses Sommerfests des Lebens hinstrebt.

Dafür muss niemand gescheite Bücher studieren und hohe Schulabschlüsse machen. Das volle, pralle Leben in seiner ganzen Kraft – dieses Geschenk Gottes an uns alle will einfach erfahren und erspürt werden!

Jesus weiß aber eben auch, wir können oft gar nichts mehr erfahren und erspüren unter unseren Lasten, unseren Sorgen, unserem angesammelten Wissen, unseren Ämtern und unseren unerfüllten Erwartungen an unsere Beziehungen, die uns übermächtig zu Boden drücken.

Mühselig und beladen, so dürfen wir zu ihm kommen und das alles bei ihm abladen.

Und wir dürfen von ihm lernen wie ein Leben mit Gott funktioniert.

Jesus fordert uns in diesem Zusammenhang auf sein Joch auf uns zu nehmen. Das wiederum mag die Klugen und Weisen abschrecken, wollen doch gerade sie oft andere vor ihren Karren spannen. Doch Jesus geht es nicht darum, irgendjemanden zu unterjochen.

Das Joch ist ursprünglich eine Erfindung um schwere Lasten, zum Beispiel zwei Wassereimer leichter zu tragen. Die Menschen zu Jesu Zeiten legten sich so ein Joch quer über beide Schultern und verstanden es viel eher als eine Tragehilfe, als ein Zwingen in vorgegebene Verhältnisse, wie wir es heute tun.

Natürlich muss so ein Joch richtig passen. Ist es für den Träger zu groß, oder zu klein, oder ist nicht richtig glatt, dann drückt es mehr als es das Tragen erleichtert und der Träger ist bald erschöpft.

Jesus hat deshalb keine Regeln oder Vorschriften erlassen, oder einen neuen Gesetzestext diktiert. Jedem Menschen, dem er half sah er tief ins Herz und gab ganz individuelle Anweisung zur Heilung.

Und oft waren es nicht einmal die Kranken selbst, die sein Joch aufnehmen mussten und von ihm lernen, sondern Angehörige, ja auch Väter oder Mütter, die durch Ihr krankmachendes Verhalten unbewusst das Leid hervorriefen.

Zusammenfassend können wir bei Jesus lernen die Illusion, wir hätten Kontrolle über unser Leben, aufzugeben und die damit zusammenhängenden Sorgen und Lasten abzulegen. Sich so ganz dem Willen des Himmlischen Vaters anzuvertrauen, wie Jesus es tat, erscheint uns umso schwieriger und unmöglicher, je klüger und weiser wir uns selbst sehen. Und doch ist es die beste Möglichkeit ein gelingendes Leben zu führen.

Lernen wir also von Jesus, auf den Willen des Himmlischen Vaters zu vertrauen – denn Gottes Liebe und Barmherzigkeit sind größer als wir mit Klugheit und Weisheit erfassen können, sie bewahren unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

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