Das Himmelreich in uns …

Septuagesimae, 9. Februar 2020, in Pretzschendorf

1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg. 2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. 3 Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen 4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. 5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. 6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? 7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg. 8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. 9 Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. 10 Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. 11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn 12 und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben. 13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? 14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. 15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin? 16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

Was werde ich dafür bekommen? Lohnt sich das für mich, oder stehe ich dafür gar nicht erst auf?

So oder ähnlich fragen wir uns manchmal, bevor wir uns auf eine neue Arbeit, oder ein neues Projekt einlassen.

Ja und dann soll doch mindestens so viel dabei herum kommen, wie andere für dieselbe Tätigkeit bekommen, das ist schließlich gerecht!

Aber wie ist das mit unserem Glauben, den wir gerade eben bekannt haben? Weshalb glauben wir? Muss auch der Glauben auf unserem inneren Prüfstand der Effektivität bestehen?

Zunächst erscheint dieser Gedanke absurd.

Doch das Gleichnis vom Weinberg – welches wir gerade hörten – ist die Antwort Jesu auf eine Frage des Petrus.

Unmittelbar bevor Jesus dieses Gleichnis erzählt, fragt Ihn Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür zuteil?

Mich schockiert das etwas: Ist die Nachfolge für Petrus nur ein Deal? Eine Investition, die Rendite erbringen muss?

Aber wie ist das bei uns?
Erwarten wir wirklich keine Gegenleistung für unseren Glauben?
Auch wenn es uns mal nicht so gut geht?
Oder fragen wir uns dann auch, wie Gott denn so etwas zulassen könne? …

Doch auch Jesu Antwort hat es in sich, stellt sie doch unser Gerechtigkeitsempfinden gehörig auf den Kopf:

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, ja das ist in unseren Augen gerecht und Erstrebens oder auch Erkämpfens wert, aber gleicher Lohn für alle, egal wie viel oder wenig einer geleistet hat, das ist nicht lustig und so einfach hinzunehmen. Und erst recht nicht, wenn man unter denen ist, die viel getan haben.

Unter denen, die des Tages Last und die Hitze getragen haben.

Der Hinweis, dass man vor Arbeitsbeginn ja mit der Höhe des Lohns einverstanden war, ist zwar nicht von der Hand zu weisen, lässt aber doch das Gefühl in uns zurück, irgendwie betrogen worden zu sein – und so soll es im Himmelreich sein?

Dass welche kurz vor knapp kommen und absahen? Da könnte ja jeder kommen! …

Nun gut, wenn jeder kommen würde – soo schlecht wäre das ja auch wieder nicht, wir müssten dann neue, größere Kirchen bauen …

Liebe Gemeinde!

Das Gleichnis wird oft und gern ausgelegt und die meisten Auslegungen, die ich gehört habe gehen davon aus, dass hier die Mitarbeit in der Kirche gemeint ist. Gottes Weinberg ist die Kirche und wer da mittut, egal ob er als Kind hineingewachsen ist, oder sehr spät als Erwachsener getauft wurde, soll doch von Gott in gleicher Weise nach seinem Ableben belohnt werden. Oft wird dann noch so etwas gesagt wie: Die Arbeit in und für die Kirche sei ja bereits so etwas wie Belohnung und wer eher dazu findet könne das ja länger genießen.

So verlockend diese Sichtweise auch ist, für mich ist die Kirche zunächst die Gemeinschaft der Christen, aber das Himmelreich ist sie dadurch nicht automatisch.

Und ich mag es auch gar nicht, immer aufs Jenseits vertröstet zu werden …

Auch mir ist diese Deutung zu einfach. Hat Jesus nicht gesagt, Dass Himmelreich ist nahe herbeigekommen?

Aber wenn das Himmelreich nahe herbeigekommen ist, wo sollen wir es denn suchen, wenn nicht in der Kirche?

Das Himmelreich, die persönliche Verbindung mit Gott, kann ich nicht in dieser äußeren Welt finden. Wer Gott in dieser Welt aus Materie sucht bekommt sehr wohl Hinweise, die jedoch immer in eine andere Welt führen sollen. Diese andere Welt ist in uns selbst, in unserem Herzen, in Geist und Sinn.

Das meinte Jesus als er zu Pilatus sagte: Mein Königreich ist nicht von dieser Welt. Jesus war königlich im Inneren und so mit sich und Gott verbunden und im Reinen. Er war bereits hier im Himmelreich!

Es ist jedoch die Welt, die wir uns oft nicht so gern anschauen. Wir haben schon als Kinder gelernt diese Welt nicht mehr wahr zu nehmen damit wir den Anforderungen anderer gerecht werden können.

Wem kommt das nicht bekannt vor, dass man als Kind von den Erwachsenen gefragt wurde: Träumst du schon wieder? Hast du nichts zu tun? Oder: Wie stellst du dir das vor? Komm auf den Boden der Realität zurück!

Und so haben wir gelernt Menschen zu werden, die nach Außen nahezu perfekt funktionieren und übergehen immer wieder den Störfaktor Innenwelt weitgehend.

Unsere Bedürfnisse und unsere Traurigkeit genauso wie unsere kindliche Freude unsere Liebe und die Freude am Geben. Das alles wartet noch tief in uns!

Doch wenn wir den Blick nach innen nicht wagen oder ertragen können, erlauben wir auch irgendwann anderen Menschen nicht mehr zu träumen, zu spielen, zu lachen …

Wir versuchen dann durch unser Tun und Machen im außen zu erreichen, dass wir uns im Inneren wohl fühlen und ins Reine kommen, notfalls eben auch über die eigenen Bedürfnisse und die von anderen hinweg.

Kennen Sie auch die Gedanken: Wenn ich das Haus, das Auto, diesen Freund, diese Freundin, diese Arbeitsstelle erst habe, dann bin ich glücklich, dann kann ich es genießen.

Doch wenn man sein Ziel dann erreicht hat, währt die Freude daran oft nur kurz. Neue Wünsche, Ziele und diese eine unbekannte Sehnsucht ziehen an uns und wir beginnen wieder zu rennen, zu organisieren, zu planen und zu hetzen.

Dass wir das Ziel dieser Sehnsucht, das Himmelreich auch ohne all dies in uns finden können ist uns meist fremd. Doch wenn wir uns fragen was wir tief in uns wirklich glauben, über uns selbst, über die anderen, über Gott und die Welt, ist das, was wir da finden erstmal gar nicht angenehm.

Diese Urüberzeugungen zu erkennen, zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern ist wie die Arbeit im Weinberg und da ist die erste und wichtigste Frage: Was glaube ich über mich selbst?

Diese Frage hat vor allem mit dem Wert zu tun, den ich mir selbst zugestehe. Ich darf erkennen, dass das, was ich da an überkritischem über mich denke nicht wirklich wahr ist. Dass der Wert eines jeden Menschen schon immer da ist, uns von Gott mitgegeben wurde, noch bevor wir in diese Welt kamen. Dafür brauche und kann ich gar nichts tun.

Niemand wird jemals durch Leistung oder Reichtum wertvoller. Allerdings ist dieser Irrglaube in unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft tief verankert.

Jesu Gleichnis lehrt uns jedoch auch, dass es noch nicht zu spät ist diese Arbeit im inneren Weinberg zu beginnen. Auch zum Mittag oder Abend meines Lebens kann ich zum tiefsten Sehnsuchtsort, dem Himmelreich in mir gelangen.

Was für eine wunderbare wohltuende Zuversicht für uns alle!

In der Bibel wird diese Arbeit auch Umkehr genannt: Umkehren vom äußeren Aktivismus zur inneren Verbundenheit mit Gott!

Das ist das Himmelreich!

Doch wie ist das mit dem einen Silbergroschen zu verstehen, den alle ausgezahlt bekommen, egal wie lange sie im Weinberg gearbeitet haben?

Wer den Weg nach Innen geht – im Gebet, in der Aufmerksamkeit im Alltag, in stillen Zeiten des Urlaubs, an stillen Abenden oder bei einem Morgenkaffe ohne Zeitung und Radio – wird bald merken, was damit gemeint ist: Es ist Gottes Segen, seine Liebe und Barmherzigkeit, seine Zuwendung zu uns.

Und da liegt es doch einfach in der Natur der Sache, dass jede und jeder den Gleichen Lohn empfangen muss: Denn Gottes unendliche Liebe für uns ist weder teilbar, noch könnte man da noch etwas drauflegen.

Gottes große Liebe gilt allen seinen Geschöpfen, sogar den Menschen, die weiterhin nicht in ihre innere Welt schauen.

Diese Menschen sind allerdings nicht in der Lage den Silbergroschen zu sehen und zu empfangen. – gehen wir also alle in den Weinberg folgen wir SEINER Einladung – lasst uns darin zurechtfinden und mit der Arbeit beginnen.

Denn diese unendliche Liebe Gottes und seine Barmherzigkeit sind größer als wir mit unserem nach außen gerichteten  Verstand erfassen können, sie bewahren unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.      Amen.

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