Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade

2. Sonntag nach Epiphanias, 19. Januar 2020, in Weistropp und Unkersdorf

Lehnmühltalsperre bei Wassermangel 2018

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Mit dieser Aussage aus dem Johannesbrief haben wir den Gottesdienst begonnen. Im Evangelium erzählte uns der Evangelist Johannes von Jesu Wundertat bei der Hochzeit zu Kana. Die Epiphaniaszeit, in welcher wir uns befinden soll offenbar die Freude über das Erscheinen des Christus im Kind Jesus von Nazareth ausstrahlen.

Etwas verstören kann es da schon, wenn wir den heutigen Predigtext hören – ich lese im Buch des Propheten Jeremia im 14. Kapitel:

1 Dies ist das Wort, das der HERR zu Jeremia sagte über die große Dürre:
2 Juda liegt jämmerlich da, seine Städte verschmachten. Sie sinken trauernd zu Boden, und Jerusalems Wehklage steigt empor.
3 Die Großen schicken ihre Diener nach Wasser; aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer zurück. Sie sind traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter.
4 Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Darum sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter.
5 Selbst die Hirschkühe, die auf dem Felde werfen, verlassen die Jungen, weil kein Gras wächst.
6 Die Wildesel stehen auf den kahlen Höhen und schnappen nach Luft wie die Schakale; ihre Augen erlöschen, weil nichts Grünes wächst.
7 Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben.
8 Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling im Lande und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt?
9 Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann? Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!

Wer jetzt fragt: was soll dieser Text am 2. Sonntag nach Epiphanias, den kann ich gut verstehen. Wer hier Parallelen zu unserer heutigen Zeit und zur Klimaerwärmung sieht, hat wohl auch allen Grund dazu, nur ist das nicht der hauptsächliche Grund weswegen uns dieser Text heute gelesen wird.

Zugegeben, die Parallelen sind erkennbar: Wenn wir auch noch nicht von einer großen Dürre sprechen, so ist doch jedem bewusst, dass das Regendefizit der letzten zwei Jahre langsam zu einem echten Problem wird. Bäche und Teiche trocknen aus, die Bäume finden immer weniger Halt im ausgetrockneten Boden und widerstehen kaum noch den stärker werdenden Stürmen. So mancher Wald sieht bereits jetzt erschreckend licht aus …

Auch die Landwirtschaft gerät immer mehr unter Druck.

Und ja, die Klimaerwärmung wird wieder diejenigen zuerst und am härtesten treffen, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Auch das ist eine gewisse Parallele zu zum Jeremiatext.

Doch bei allen Parallelen geht es wohl nicht darum die große Dürre aus der Geschichte Israels mit der heutigen Klimaerwärmung zu vergleichen und etwas daraus für uns zu schlussfolgern.

Gut ist es, bei solchen schwer zugänglichen Texten erst einmal hinzuhören, was uns da an inneren Widerständen so entgegensteht – worüber wir uns da am meisten Ärgern.

Im ersten Teil beklagt und beschreibt Gott selbst die Folgen der Dürre, von der Jeremia und wir meinen, dass Gott sie ja selber als Strafe über die Israeliten geschickt hat.

Im Zweiten Teil versucht Jeremia Gott umzustimmen, und dadurch das Schlimmste für das Volk Israel zu verhindern. Wer im Alten Testament weiterliest erfährt jedoch, dass Gott nicht mit Regen aushilft. Es kommt sogar noch schlimmer: ein Krieg bricht aus, in dessen Ergebnis viele Israeliten ins Exil verschleppt werden.

Was will uns das nun sagen? Dass die Israeliten nicht genug umgekehrt sind und Gott deshalb auf harte Kante gefahren ist? Dass uns, die wir ja gemessen an der Gesamtbevölkerung so wenige Christen sind, die bereit sind umzukehren, dasselbe Schicksal erwartet?

Ich denke nein! So einfach ist die Sache nicht.

Was uns dieser Text zunächst einmal aufzeigen will ist folgendes:

Gott hat uns Menschen ins Leben auf diese Erde gestellt und damit in das vormals sehr ausgewogene Gleichgewicht seiner großartigen Schöpfung. Doch die Schöpfung Gottes ist keine Zauberei, sie ist eher ein perfekt aufeinander abgestimmtes und hochsensibles System von biochemischen, bioelktronischen und biomagnetischen Prozessen, um nur einmal die lebenden Organismen zu betrachten.

Und alles was wir tun, denken, ja sogar alles was wir glauben hat Einfluss auf uns und das was uns umgibt. Wissenschaftler erkennen diese Zusammenhänge immer besser, auch wenn dies in den öffentlichen Medien und in den Lehrplänen der Schulen und Universitäten noch nicht angekommen ist.

Und dass alles mit allem verbunden und verschränkt ist, erfahren wir jetzt hautnah anhand von Klimaveränderungen, den daraus resultierenden Konflikten und Flüchtlingsströmen, wir erfahren es durch Feinstaubbelastung und sogenannten Zivilisationskrankheiten, durch massenhaftes Insekten- und Vogelsterben und viele andere Probleme, die uns immer mehr bewegen.

Alles was wir tun oder nicht tun hat eben Folgen für all das, was wir erleben werden. Wenn wir das berücksichtigen, können wir nicht mehr nach Gutdünken für den eigenen kurzfristigen Vorteil alle uns störenden Aspekte ausblenden und so den Kopf in den Sand stecken

Wenn wir global wirtschaften wollen müssen wir uns also auch anstrengen die globalen Zusammenhänge zu begreifen wollen und danach handeln.

Wenn wir zum Beispiel erkennen, wie wichtig die letzten, verbliebenen Regenwälder für den Wasser- und Sauerstoffhaushalt dieser Erde sind, müssten wir diese dann nicht besonders schützen und ihre fortschreitende Abholzung verhindern?

Wir müssen immer mehr der Verantwortung gerecht werden, die wir nun wage beginnen zu erkennen. Gott gibt uns die Freiheit alle Dinge zu probieren unsere Erfahrungen zu machen und daraus zu lernen.

Dabei ist er jedoch nicht der strenge Vater, der uns hinterherläuft und uns mit finsterer Miene vor die Nase hält, was wir seiner Meinung nach falsch gemacht haben. Er ist eher ein Vater, der seinen Kindern etwas zutraut und nur dann helfend eingreift, wenn wir darum bitten.

Doch auch wenn wir um Hilfe bitten, wird uns nicht schlagartig alle Last abgenommen. Wir sind in den gesamten Prozess eingebunden. Himmlische Hilfe zu empfangen zu können, setzt unsere Bereitschaft voraus.

Unsere Bereitschaft aufeinander zu zugehen, einander zu vergeben, unsere Fähigkeit zu hoffen, zu glauben und zu vertrauen. Denn nur so werden wir die Wege sehen können, die Gott uns aus unserem Leid bereitet hat: Wege, die wir in der Gemeinschaft und in der Verantwortung mit anderen Menschen gehen können

Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho sagt es so: „Gott läßt seine Kinder nie im Stich, doch seine Ratschlüsse sind unergründlich, und Er baut den Weg mit unseren Schritten.“

Ich meine, das vertrauensvolle gehen dieser Schritte ist das, was in der Bibel als Umkehr bezeichnet wird.

Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass es immer wieder auch Situationen gibt, in welcher keine Hilfe, keine Rettung erfolgt. Wir können das nicht verstehen und unser erfahrenes Leid wird umso schwerer. Hier Schlussfolgerungen auf den Glauben oder das Gottesvertrauen der Betroffenen zu ziehen ist gefährlich anmaßend und sehr lieblos.

Jeder Versuch solche Begebenheiten zu erklären ist aussichtslos, da es absolut keine für uns zu verstehende Antwort geben kann!

Bei aller Sprachlosigkeit muss solch eine leidvolle Situation jedoch nicht das Ende unseres Weges mit Gott sein. Am Ende seines Bittens fordert Jeremia Gott auf, sein Volk nicht zu verlassen.

Bis heute hat das Volk Gottes eine bewegte und oft in bitteres Leid getauchte Geschichte erlebt, bei allem, was die Israeliten im Laufe der Jahrhunderte erlebten sind sie sich doch immer der Verbundenheit Gotte bewusst.

Und so wie Gott mit den Israeliten durch Dürre, Hungersnot, Krieg und Exil ging, so geht er auch mit dir und mir durch Einsamkeit und Krankheit, durch Trauer und Verzweiflung.

Im Wissen darum dass Gott da ist und mitgeht, kann ich – in zuerst kleinen Schritten – wieder auf das Leben zugehen und so nach und nach wieder festen Tritt bekommen. Möglicherweise sind es gerade diese Erfahrungen, die uns eines Tages sagen lassen: Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen