… was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig

Sonntag Jubilate, 22. April 2018, in Hartmansdorf:

Foto: Daniel Retsch

 

Wenn wir uns heute am Sonntag Jubilate einmal selbst beobachten, was für einen Menschen nehmen wir war?

Einen der jubiliert, weil das Alte vergangen ist und Neues entsteht? Nicht nur in der Natur, wo es jetzt wächst und sprießt, grünt und blüht, als wäre dies das erste und gleichzeitig das letzte Frühjahr überhaupt. Sondern weil auch im persönlichen Leben sich Neues Bahn bricht, in den Beziehungen zu anderen Menschen oder in unseren eigenen Gedanken und Ansichten.

Oder nehmen wir jemanden war, der sich von der Novemberdepression über den Winterschlaf zur Frühjahrsmüdigkeit hangelt? Der beim Blick auf all das grünbunte Erwachen der Natur nicht einmal ein müdes Lächeln übrig hat, weil Beziehungen zerbrechen, weil das was gestern noch eine Wahrheit war, heute nichts mehr zählt? Oder weil möglicherweise der eigene Körper sehr deutlich neue Grenzen und Einschränkungen aufzeigt? Jemanden, den das tägliche, vermeintlich ergebnislose Abstrampeln müde gemacht hat?

Wer jetzt meint, dass dies nur Symptome unserer modernen Zeit sind, dem sei versichert, dass es solche Empfindungen bereits in Biblischer Zeit gab und schon damals darüber geschrieben wurde.

Ich lese im zweiten Brief des Paulus an die Korinther im 4. Kapitel:

16 Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. 17 Denn unsre Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, 18 uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

2. Kor 4,16-18

Ihr Lieben,

Denn unsre Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit

Das klingt mir doch verdächtig nach falschem Heldentum, nach wegreden von Leid und im schlimmsten Fall nach spöttischer Vertröstung.

Was bitte nützt es demjenigen, der in Bedrängnis ist, wenn ich sage: „Ach sie mal, du musst jetzt zwar leiden, aber dafür hast du es im Jenseits besser.“

Solches reden wäre nicht nur taktlos, nein so etwas ist aus meiner Sicht ziemlich menschenverachtend.

Warum? Weil ich in diesem Augenblick mein gegenüber nicht einmal ernst nehmen würde sondern mit einem billigen, rhetorischen Taschenspielertrick zu verstehen geben würde, dass ich an seiner Situation kein Interesse habe und es wäre wohl noch besser in solch einer Situation die Klappe zu halten, als diesen Paulussatz zu zitieren!

Ist Paulus also auf menschenverachtenden, billigen Trost aus?

Nein! Paulus, der diese Worte schreibt, steht selbst mit zerschlagenem und abgelebtem Körper vor dem Ende seines Lebens. Er weiß, wovon er redet indem er sagt: »wenn auch unser äußerer Mensch verfällt«; das lässt die Aussage in einem ganz anderen Licht erscheinen. Es geht nicht um billigen Trost oder gar Zurechtweisung für Andere. Es geht um die Reflektion der eigenen Situation. Und so erklärt sich auch die ruhige, klare Aussage: »Darum werden wir nicht müde.«

Paulus weiß, wofür er gelebt hat. Ihm ist die Verkündigung so wichtig, dass ihm die eigene Gesundheit schlichtweg egal ist. Er weiß, das was er erreicht hat, war den Einsatz wert. Und das macht ihn glücklich, so glücklich, dass er keine trüben Gedanken an Müdigkeit kennt.

Nun soll jedoch hier nicht der Eindruck entstehen, dass jeder, der gesundheitliche Probleme hat und daran leidet nicht genug für die Verkündigung des Evangeliums getan habe und nun eben darum leide. Dann wären wir ja wieder bei einem genauso menschenverachtendem Urteil wie eingangs.

Wenn wir diesen Text für uns erschließen wollen, dann ist es wichtig zu erkennen, dass hier der ganz spezielle Weg des Paulus mit Gott beschrieben wird.

Für uns, kann dieser Text also nur ein Beispiel – ein übertragenes Bild sein.

Zunächst kann das bedeuten, dass ich mich und auch Gott einmal frage: Wofür bin ich in diese Welt geboren worden? Was soll ich von hier mitnehmen – welche Erfahrung – welche Erkenntnis? Und vielleicht noch vielmehr: Was soll ich hier lassen? Welchen Eindruck? Welche Veränderungen und auch welche Glücksmomente für Andere habe ich zu vergeben?

Was könnte meine ganz spezielle Aufgabe in der Gemeinde aber auch in deren Außenwirkung beim tagtäglichen Umgang mit meinem Nächsten sein?

Paulus trennt zwischen dem äußeren Menschen, der verfällt und dem inneren Menschen, der von Tag zu Tag erneuert wird.

Mit dem äußeren Menschen ist aber nicht nur der Körper gemeint, sondern alles, woraus ich Sinn aus meiner äußeren Welt ziehe. Also auch mein Besitz.

Natürlich ist es richtig und wichtig mit den äußeren Dingen dieser Welt auch um zu gehen. Sich an seinem Körper und seinem Besitz zu erfreuen und es dankbar zu gebrauchen.

Wir sollen keine Asketen sein, die auf alles Materielle verzichten – wozu auch? Können wir nicht auch gerade mit unserem Besitz auch viel Gutes für uns und Andere bewirken?

Doch wir sollen eben auch immer im Blick behalten dass dies eben das Sichtbare, das Zeitliche ist. Denn weder einen noch so gesunden Körper oder einen noch so großen Reichtum an materiellen Dingen, können wir einst mit in das ewige Leben nehmen.

Wenn wir also den Sinn unserer Existenz einzig aus diesen Äußeren Dingen beziehen, was bleibt, wenn wir einst „hinüber gehen“?

Wenn wir uns jedoch nach innen wenden, wenn wir wie Paulus erfahren, wofür wir leben, dann werden wir Paulus zustimmen wenn er sagt „so wird doch der innere Mensch von Tag zu Tag erneuert“ und dann kann dies auch unsere Sicht auf das eigene Leben radikal verändern:

Ein weltbekannter britischer Musiker hatte auf dem Höhepunkt seiner Karriere tiefste Zweifel, bezüglich des Sinns seines Lebens. Äußerlich hatte er alles erreicht, aber innerlich war nur noch Leere.

Zu dieser Zeit wohnte im Nachbarhaus eine Familie mit einem 9-jährigen Jungen, zu dem der Musiker immer wieder Kontakt hatte.

Eines Tages wurde bei dem Kind Aids festgestellt und eine Lebenserwartung von nur noch wenigen Monaten prognostiziert.

Der Musiker fühlte sich davon so betroffen, dass er einen großen Teil seiner Zeit dem Jungen widmete.

Er wollte Ihm die letzten Monate so schön wie möglich machen. Die Beiden unternahmen viel und trotz seiner Krankheit und dem absehbaren Lebensende, freute sich der Junge über jeden Tag und über jedes Erlebnis.

Er hatte nichts – nicht einmal eine Zukunft und strahlte dennoch so viel Lebensfreude aus. Und der Musiker sah sich selbst, der alles hatte und dennoch nicht mehr wusste was Freude war.

Während der Zeit mit dem Jungen ging in dem Musiker eine tiefe Veränderung vor. Später sagte er: dieser Junge habe ihm das Leben gerettet, indem er ihm den Sinn wieder zeigte.

Heute spendet er einen großen Teil seiner Einnahmen an gemeinnützige Einrichtungen und an die Aidsforschung. Der Name des Musikers ist Elton John.

(Ruediger Schache in „Der geheime Plan Ihres Lebens“)

Nun, oft sind die Aufgaben, die wir hier erledigen sollen viel weniger spektakulär.

Es muss nicht unbedingt eine riesige, entbehrungsreiche Aufgabe sein wie bei Paulus – vielleicht eben nur das Sorgen um etwas oder jemanden. Und doch kann es uns im besten Fall so erfüllen und unser Leben mit Sinn erfüllen, dass angesichts dieses Glücks alle Gedanken an Müdigkeit und Trostlosigkeit vergehen und es wird das eigene Leben so verändern, dass wir fortan das uns anvertraute Sichtbare, für die Gestaltung des Unsichtbaren ewigen, weise zu nutzen verstehen.

Ja unser Leben hat Sinn und Ziel in der Ewigkeit. Wir müssen es nicht, mit dem Zusammenhalten dessen was sichtbar und zeitlich ist, vergeuden.

Dafür bin ich sehr dankbar und dafür, dass Gottes Liebe Gottes größer ist als wir mit unserem Verstand erfassen könnten, sie bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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