„Denn ich bin gewiss…“

24. Februar 2018, zur Taufe unseres Enkels Wilhelm August in der St. Pankratiuskirche Leipzig Engelsdorf:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

1. Römer 8, 38-39

Lieber Wilhelm August, Liebe Monika, lieber Sebastian, liebe Taufgemeinde.

„Denn ich bin gewiss…“ sagt Paulus und es klingt, als würde seine Gewissheit auch für Wilhelm August, für uns alle und das ganze gelebte und ungelebte, noch vor uns liegende Leben reichen.

Die Taufe, das ist für uns als Christen der Beginn des Lebens mit Gott. Es soll also neben dem Taufspruch auch über das, zugegeben noch recht kurze, Leben des Wilhelm August gehen. Doch was kann ich sagen über ein Leben, das noch vor uns liegt?

Was, wenn unser Leben ein Sinfonie wäre, wie würde es klingen? Sicher bei jedem von uns etwas anders – Das eine Leben würde sich wohl etwas ernster anhören, ein anderes eher leicht und beschwingt und bestimmt das ist vom Komponisten auch durchaus so gewollt.

Dabei sind wir in unseren jeweiligen Leben wohl am ehesten mit den Solisten zu vergleichen und die Menschen, mit denen wir durch unser Leben gehen sind dann wohl das Orchester um uns herum. Welch ein großartiger Klang kann daraus entstehen!

Bevor es nun so richtig losgeht wird ein kleiner Solist, der neu ist auf der Bühne des Lebens, jedoch erstmal ausprobieren – wir sagen auch lernen dazu – wie das Musikinstrument des Lebens so funktioniert. Welche Töne kann ich damit machen? Helle, dunkle, laute ,leise, schrille … Welche davon mag ich und welche nicht? Er wird sicher auch hinhören – welche Töne mögen die anderen Musiker um mich herum? Also die in der unmittelbaren Nähe – für Wilhelm August seid ihr das vor allem als Eltern liebe Monika und lieber Sebastian und es sind auch seine Geschwister Helene, Margarethe und Jonathan.
Ihr seid die ersten, die ihm beim stimmen des Instrumentes helfen, aber ihr werdet nicht auf Dauer die einzigen bleiben.

Später werden immer mehr die entfernt sitzenden Orchestermusiker in den Blick kommen – Wir als Großeltern – die Geschwister seiner Eltern als Tanten und Onkel – die Paten – Freunde – Erzieher und Lehrer werden immer größeren Einfluss auf den Klang von Wilhelm Augusts Lebensmelodie haben. Das Orchester wird also immer größer!

Ist das Instrument gestimmt und wird so einigermaßen beherrscht kann unser kleiner Solist so richtig loslegen, aber halt, er soll ja im großen Orchester spielen! Dazu muss er erst einmal wissen wer der Dirigent des Orchesters ist. Deswegen sind wir ja heute hier. Ihr als Eltern wünscht Euch, dass Gott als der Komponist, der sich diese wunderbare Musik ausgedacht hat auch gleichzeitig der Dirigent in Wilhelm Augusts Leben sein möge.

Wer anderes kennt denn Wilhelm August und seine Sinfonie besser als Gott, von dem beide kommen und auf den wir letztendlich alle zugehen?

Doch es gibt dabei ein Risiko – Nein nicht für Wilhelm August und auch nicht für Gott. Riskant kann es dann für uns werden, wenn wir als Zuhörende und Mitmusizierende eine allzu genaue Vorstellung entwickeln, wie denn seine Lebensmelodie klingen sollte.

Der große Dirigent der Schöpfung liebt alle seine Musiker – keine Frage – wir alle sind wie Wilhelm Augusts Taufspruch uns sagt in der Liebe Gottes und keiner, keiner fällt da einfach so heraus! Gerade das kann uns ja den Mut geben zu improvisieren. Die große Partitur lässt immer wieder Raum zur Improvisation ja, wir werden regelrecht dazu aufgefordert – Herausforderungen nennen wir das dann.

Ich stelle mir vor, dass Gott als großer Konzertmeister gerade darauf besonders gern hört und große Freude an den neuen Tönen hat. Ein Problem haben nur wir damit, wenn wir den nächsten und übernächsten Ton unserer ausgedachten Version der Lebensmelodie im Ohr haben.

Wir können dann entweder die Abweichung akzeptieren und uns zurück nehmen bis der Andere wieder im Takt ist. Oder wir beginnen mit unserer Melodie etwas dagegen setzen zu wollen. Logisch dass damit erst recht Dissonanzen aufkommen, die so schräg werden können, dass man einfach auf Abstand gehen muss um die eigene Melodie als erträglich wahrzunehmen. Und solange jeder denkt, der Andere sollte doch mal besser spielen, wird das gemeinsame Musizieren dann eben zur Qual.

Vielleicht schaffen wir es aber doch und sagen uns: „Aha, sie oder er hat das nun ganz anders gespielt als ich dachte, aber es ist doch auch gut so.“

Nun werden einige vielleicht einwenden und sagen: „Aber es gibt doch Regeln! In der Musik genauso wie im Leben und Gott lässt sich nicht spotten.“ – Wie es ja auch in der Bibel steht. Ja, auch das ist wahr, doch sind wir die Anwälte Gottes? Trauen wir Ihm nicht zu, seine Musiker selber zu dirigieren? Braucht Gott wirklich meinen Unmut gegen andere Menschen?

Das sind Fragen wie ich sie mir jedenfalls oft stelle bevor ich über andere urteile. Oft ist es ja nur meine Wahrnehmung die ich auf einen Menschen habe, meine Wertvorstellungen und Ideen über das Leben, die ich als Messlatte anlege.

Bei allem, was Menschen im Leben verfehlen können gilt eben immer und vor allem die Liebe Gottes und dass uns rein gar nichts und absolut Niemand davon trennen kann.

Wirklich niemand! In einer alten Bibel habe einmal ich an den Worten „weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur“ eine Fußnote entdeckt, die irgendjemand dort handschriftlich vermerkt hatte. Als Erklärung las ich am Seitenrand: „also auch ich selbst nicht!“
Das hat mich beeindruckt. Da hatte jemand etwas Entscheidendes erkannt: Auch wir selbst können uns von dieser Liebe nicht trennen. Gott sei Dank!

Egal was ich tue, es gibt immer ein Zurück zu Gott! Natürlich muss ich mit den Folgen meiner Taten Leben, was gesagt wurde ist gesagt, was getan wurde ist getan! Nichts von dem kann ich ungeschehen machen. Keine Verletzung die ich anderen zugefügt habe kann ich einfach zurücknehmen. Doch Gott wird uns immer die Hand reichen und uns als seine geliebten Kinder in den Arm nehmen wenn wir es nur zulassen.

Liebe Monika, lieber Sebastian! Wir alle dürfen gespannt sein auf die Lebensmelodie die Wilhelm August hoffentlich recht kräftig zu spielen beginnt. Er wird Euch viel Freude bereiten und er wird Euch herausfordern. Beides ist gut und durchaus so gewollt. Wir alle dürfen Ihn dabei begleiten und sind aufgefordert ihm auch das Improvisieren nicht nur zu erlauben, sondern ihn dazu zu ermuntern.

Und wir dürfen uns der Liebe Gottes gewiss sein, aus der uns alle niemand herausreißen kann. Denn diese Liebe ist höher als unsere Vernunft. Sie bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen

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